Niederschrift und Tagebuch der Bevölkerung
in der Wallensteinwoche anno 2016

Keiner kann sich vorstellen, wie es die Menschen aufnahmen als der kaiserliche Generalissimus Albrecht Wenzel Eusebius von Waldstein, im Jahre des gregorianischen Kalenders 1630 in die freie Reichsstadt Memmingen einzog. Für die ca. 4000 Mitwirkenden der Wallensteinspiele ist es jedoch alle 4 Jahre eine besondere Woche, in der man in die Geschichte der Stadt eintauchen und sich atmosphärisch mit der Zeit verbunden fühlen kann. Dieses Tagebuch möchte einen Einblick in das größte historische Fest Europas, aus der Sicht der „Bevölkerung Memmingens“, bieten, die durch über 300 Mitwirkende verkörpert wird. Mit Hintergrundberichten, Heiterem aus dem Gruppenleben, aber auch mit Rückblicken in die Vergangenheit möchte diese Niederschrift durch die Woche führen.

 

 

Montag, 18. Juli 2016

Der Tag X

Seht und hört ihr Leut und lasst Euch sagen, der Tag X hat angefangen.
Meine Schreibfeder sei soweit um Euch zum Geleit, in paar wen‘gen Sätzen Euch darüber in Kenntnis zu versetzen, was wohl kommen mag im Jahr des Herrn - 1630 - Wallenstein ist nicht mehr fern!

 

Dienstag, 19. Juli 2016

Viel Holz vor der Hütt‘n

Noch brennt nur das Feuer der Vorfreude lichterloh, doch bald schon ziehen dicke Rauchschwaden durch die Lager an der Grimmelschanze.
Feuert die fleißige Bevölkerung an, die auch bei sengender Hitze des „Volkes Memmingen anno 1630“ weiter vorantreibt.

 

Mittwoch, 20. Juli 2016

Richtig lieget ihr beim Volke!

Die Wallensteinwoche wird luxuriös - für des Volkes Recken, können sie sich doch auf Stroh gefüllte Rupfen strecken.
Liegt das Weib ganz nah bei ihm, sticht gar der Hafer ihn. Doch ist´s der Lieb schon lange holde, liegt im Gräberle die Oide.
Darum prüfe, wer sich ewig bindet und so ein weiches Lager findet.

 

Donnerstag, 21. Juli 2016

Die Männer bei der Stange halten!

Unsere Giga ist wirklich mega!
Denn ihre geballte Frauenpower kann sich sehen lassen und sie hielt so drei Männer gleichzeitig bei der Stange!
Damit ihr´s wisst, liebe Männer, die Frauen der Bevölkerung zeigen Euch wo der Hammer hängt!!
In diesem Sinne, es gibt noch viel zu tun - machen wir einfach so weiter!

 

Freitag, 22. Juli 2016

„Hans im Glück“

Guten Tag, liebe Kinder!
Seid ihr wieder daaaa??? Jaaa!

Das ist aber schön, denn heute erzählt Euch das Tagebuch eine Geschichte von einem (un)wahren Helden.
Der Hans Wurst das ist so einer müsst ihr wissen, der hat´s faustdick hinter den Ohren und fünf Freundinnen hat er auch noch, die heißen, Babsi, Fritzi, Gundula, Bims und Walburga!
Und wisst ihr was? Alle zusammen wohnen in einem Zelt!
Ob das im Orient oder auf der Grimmelschanze steht, das ist aber eine andere Geschichte...

--The End--

 

Samstag, 23. Juli 2016

„Schellakeenig wiaschte Sau!“

Das Volk im ersten Gang, morgen fangt Wallerstoi dann richtig an.
Wenn ma marschierert durch‘s Ulmer Tor liegt die Woche noch bevor.
Doch bis der Feldherr kimmt, wir des Königs Volke sind.
Ein dreifaches „Höh“ auf den neuen Regenten, dem wir unserer Aufwartung am Fischerdäg schenkten.

 

Sonntag, 24. Juli 2016

Seid mir willkommen im Jahr des Herrn 1630

Die Klein-Stadt „Memmingen anno 1630“ liegt in der Grimmelschanze.
Ruhig und überschaubar war die Stadt, bevor der Feldherr mit seinem Hofstaat, Soldaten, Trossen, und allerlei lichtscheuem Gesindel durch das Ulmer Tor in einzog.
Ob es wirklich so viel „Heil“ für die gewesen ist, die schon vorher die Stadt prägten, sei dahingestellt.
Im 10. Wallensteinjahr ist es jedoch ein „Heil und Segen“ für eine Woche eine besondere Freiheit unter freiem Himmel zu erleben und dabei immer zu wissen, wie nah 2016 doch liegt.

 

Montag, 25. Juli 2016

Fürstlich speisen unter freiem Himmel

Wer braucht schon einen Burgerking, wenn unter freiem Himmel so königlich gespeist werden kann?
Den kleinen und großen Herrschaften munden die Speisen sehr.
Was sich im Wallensteinlager als sehr abwechslungsreich gestaltet, war im 17. Jahrhundert eher Eintagsbrei für das einfache Volk.
Karge Mahlzeiten aus Getreidebreien und Gemüse, vorzugsweise Kohlsorten kamen auf den Tisch; Fleisch hingegen stand selten auf dem Speiseplan.
Deswegen ist reich, wer gut zu speisen weiß!

 

Dienstag, 26. Juli 2016

Der Nacht geheimnisvoll entlockt!

Zelte sah ich, Pferde, Fahnen, roten Rauch am Horizont,
Die mit uns ins Lager kamen, sind das Leben hier gewohnt!
Zelte stehen in der Runde, das ist unser ganzes Glück.
Eine Wache ruft im Dunkeln, die Parole schallt zurück.
Feuer qualmen, Rosse stampfen, einer singt ein altes Lied,
unsre nassen Mäntel dampfen, alle Sehnsucht heimwärts zieht.
Alles schläft, nur einer wachet, in der Ferne Feuerschein.
Keiner weiß wie er erwachet; stillt sein Leid im dunklen Wein.

-Historisches Lied-

 

Mittwoch, 27. Juli 2016

Willkommen, Welcome, Bienvenue, Bienvenido, Benvenuti

Im 17. Jahrhundert als England noch Britannien war, vor etlichen hunderten Jahren.
Als man noch nix gewußt vom Exit oder besser gesagt dem Brexit. Da klopfte ein weitgereister Wandersmann bei dem Volke Memmingens an.
Als kleinste Gastgruppe der Welt wohnt der Sir Richard in seinem Zelt.
Trotz seiner Gewandung und seiner Sprache ist der Sir ein alter Wallenstein-Hase, der gut dem Volke zu Gesichte steht -
auch wenn der ein oder andere so manche Silbe nicht versteht.
Für Integration steht das Volk von Memmingen früher und heute, darum grüßen wir international hier alle Leute!

 

Donnerstag, 28. Juli 2016

Die Herren der Schöpfung!

Mit der Herrschaft meinte man nicht das Oberhaupt der Familie, sondern die Herrschaft über den Geldsack, denn wer im 17. Jahrhundert genug Taler besaß konnte sich wohl zu den Herrschaften zählen. Im Bevölkerungslager herrscht Arbeitsteilung für Damen und Herren. Herrschaftszeiten waren gestern, heute müssen, dem Herrgott sei Dank, auch die Frauen ran. Was für herrliche Tage, an dem man(n) nach getaner Arbeit seinen her(r)vorragenden Körperbau fletzend, bei einem her(r)gerichtetem Blonden, in Stroh betten kann.

 

Freitag, 29. Juli 2016

Spielwiese „Wallenstein“

Ein ganzer Wagen „junges Gemüse“!
Was heute Anfang 20 noch „grün“ hinter den Ohren ist, war 1630 schon betagt und erfahren, als Soldat im Frontdienst oder als Magd, Marketenderin oder Weib der Familie zu Diensten. Früher war der einzelne Mensch als solcher verloren, die Zugehörigkeit war existenziell. Aus der Gesellschaft ausgestoßene fristeten ihr Dasein als Aussätzige und hatten ein „haltloses“ Leben ohne die Unterstützung von anderen. Sogar die Kirche scheute die verlorenen Seelen. Bei unserem historischen Spektakel bleibt niemand allein, die „Wallensteiner“ verbindet die Liebe zum „Spiel“, wie es das „junge Gemüse der Bevölkerung“ zeigt.

 

Samstag, 30. Juli 2016

Die Zeit vergeht!

Der Wallensteinsommer alle vier Jahre macht Kleine ganz groß. Die Bevölkerung trägt viele Früchte. Viele Babies die noch friedlich in den Leiterwägen schlummerten, werden in vier Jahren auf eigenen Beinen die Welt erkunden. In der damaligen Zeit war eine Schwangerschaft für die Frau die Erfüllung der ehelichen Pflichten ihrer Weiblichkeit und für den Vater der Beweis seiner Männlichkeit. Außerehelicher Verkehr, der oft nicht ohne Folgen blieb, wurde mit dem Tod bestraft. Ein Beispiel dazu recherchierte der Historische Verein mit dem Schicksal der Kindsmörderin Anna Luzin, die am 20. Oktober 1630 in Memmingen hingerichtet wurde.

 

Sonntag, 31. Juli 2016

Der Himmel weint

Den letzten Tag der 10. Wallensteinwoche beweint der Himmel mit dicken Tränen die er am Sonntagabend über das Land schickt. Das Volk musste damals wie heute wasserfest sein und der Dinge harren. Gemeinschaft verbindet auch heute noch den bunten Haufen, viele Freundschaften wurden so neu geboren und werden nun weitere vier Jahre gepflegt, bis es wieder heißt: „Es lebe der Herzog und seine Huren“. Ein Vivat auf alle, die einen „modernen“ Einblick in das Jahr 1630 der Frühen Neuzeit möglich machten! Ohne den Einsatz von vielen helfenden Händen wäre die Woche nicht zustande gekommen! Cui honorem, honorem! (Ehre dem, dem Ehre gebührt)

 

Montag, 1. August 2016

Wo rohe Kräfte walten

mit vereinten Kräften bricht das Volk die Zelte in der Grimmelschanze ab und verschwindet wieder zurück in die Behausungen in und um Memmingen. Eine Woche voller zündendem Lagerleben gehört nun der Vergangenheit an. Doch bevor wieder Ruhe in der Stadt einkehrt, muss noch kräftig gefegt werden, um in vier Jahren wieder mit frischem Wind durch das Ulmer Tor einzuziehen. Die Besetzung der Stadt durch Eusebius Wenzel von Waldstein und seinen Truppen war mit dem Auszug im Oktober 1630 vorbei - die Stadtgeschichte jedoch wird stets weiter geschrieben. Bis zum nächsten Kapitel der historischen Zeitreise im nächsten Wallensteinsommer anno domini 2020!